In seinen bereits 2009 entstandenen Werken übersetzt der kubanische Künstler Antonio Nuñez »Filmstills«, Standbilder aus Filmklassikern des europäischen Nachkriegskinos und insbesondere der »Nouvelle Vague« in Malerei und Grafik.
Ausgehend von minutiös studierten Sequenzen isoliert er einzelne Momente, die im Fluss des Films selbst kaum wahrnehmbar sind, und überführt sie in großformatige farbige Malereien auf Leinwand sowie schwarzweiße Holzschnitte. Die den Bildvordergrund durchbrechenden Papierschnipsel verbildlichen die dargestellte Szene als eine Momentaufnahme unter vielen Teilen einer Geschichte, die von Brüchen und Überlagerungen gekennzeichnet ist und verweisen auf das Unabgeschlossene jeder Wahrnehmung und jedes Erzählens.
Derart aus ihrem filmisch-narrativen Kontext herausgelöst, werden die einzelnen »Filmstills« zu autonomen Momentaufnahmen, offenen Bildereignissen, die neue Assoziationen ermöglichen und ihre Bedeutung fortwährend verschieben.
Vor dem Hintergrund einer von Zensur geprägten Kinokultur in Kuba, in der Film lange Zeit auch als Träger ideologischer und propagandistischer Inhalte fungierte, erhält das Medium für Nuñez eine besondere Bedeutung als Projektionsfläche sowohl persönlicher als auch kollektiver Erfahrung. Seine Arbeiten sind durchzogen von biografischer Resonanz, indem die Film- und Szenenauswahl zum indirekten Selbstporträt des Künstlers werden; sie dienen der Reflexionen über Erinnerung, Verlust und das Verhältnis von individueller Erfahrung zu politischen Wirklichkeit in seiner Heimat Kuba.
Antonio Nuñez ist 1971 geboren in Camagüey, Kuba. Von 1993 bis 1998 studierte er Malerei und Grafik am Instituto Superior de Arte, Havanna (CU). Mit Ausstellungen und Stipendien war er u.a. in Tel Aviv, St. Petersburg, Buenos Aires, Alberta (CA) und Aachen tätig, wo er seit 2002 lebt und arbeitet.
www.antonionunez.de