Wie Kunst und Philosophie auf die Welt reagieren und im Umkehrschluss, welche Rolle diese beiden Disziplinen in unserem alltäglichen Leben einnehmen, darüber sprechen der Fotograf Michael Dohle, der Maler Antonio Nuñez und der Bildhauer Holger Vanicek.
Es sollen Fragen über Kunst als besondere Form der Kommunikation, als Projektionsfläche außerordentlicher Wagnisse sowie als Irritation diskutiert werden. Wir betrachten die Perspektiven der Künstler*innen ebenso wie die der Betrachter*innen und sprechen über Zweifel, Offenheit, waches Bewusstsein und verschiedene Zugänge und Methoden.
Begleitend zum Künstlergespräch am 21. Mai 2026 eröffnen wir eine Ausstellung des kubanischen Künstlers Antonio Nuñez, der sogenannte »Filmstills«, Standbilder aus Filmklassikern des europäischen Nachkriegskinos, insbesondere der »Nouvelle Vague«, malerisch neu fasst.
Ausgehend von minutiös studierten Sequenzen isoliert er einzelne Momente, die im Fluss des Films selbst kaum wahrnehmbar sind, und überführt sie in großformatige farbige Malereien auf Leinwand sowie schwarzweiße Holzschnitte. Die den Bildvordergrund durchbrechenden, bemalten Papierschnipsel verbildlichen die dargestellte Szene als eine Momentaufnahme unter vielen Teilen einer Geschichte, die von Brüchen und Überlagerungen gekennzeichnet ist und verweisen auf das Unabgeschlossene jeder Wahrnehmung und jedes Erzählens.
Derart aus ihrem filmischen narrativen Kontext herausgelöst werden die einzelnen »Filmstills« zu autonomen Momentaufnahmen, offenen Bildereignissen, die neue Assoziationen ermöglichen und ihre Bedeutung fortwährend verschieben.
Vor dem Hintergrund einer von Zensur geprägten Kinokultur in Kuba, in der Film lange Zeit auch als Träger ideologischer und propagandistischer Inhalte fungierte, erhält das Medium für Nuñez eine besondere Bedeutung als Projektionsfläche sowohl persönlicher als auch kollektiver Erfahrung. Seine Arbeiten sind durchzogen von biografischer Resonanz, indem die Film- und Szenenauswahl zum indirekten Selbstporträt des Künstlers werden; Sie dienen der Reflexionen über Erinnerung, Verlust und das Verhältnis von individueller Erfahrung zu politischen Wirklichkeit in seiner Heimat Kuba.
Das Gespräch nimmt diese künstlerischen Ansätze zum Ausgangspunkt, um grundlegende Fragen zu vertiefen: Wie findet Kunst ihr Sujet? In welchem Verhältnis stehen Intention, Werk und Rezeption? Und welche Rolle kommt der Kunst in einer Welt zu, in der Bedeutung stets im Werden begriffen ist?
Wir freuen uns auf einen anregenden Abend im Dialog.
Die nächsten Termin findet am 25. Juni im Rahmen der Ausstellung »Paradoxe Rückwirkungen«, am belgischen Zollhaus des KuKuK e.V., Beginn 19:30 Uhr.
Michael Dohle ist Fotograf und liest gerne. In seiner Arbeit geht es oft um Wechselwirkungen zwischen Bild und Literatur.
Antonio Nuñez ist bildender Künstler. Seine Arbeit verbindet Malerei und Grafik und wurde international ausgestellt; seit 2002 lebt und arbeitet er in Aachen.
Holger Vanicek ist bildender Künstler und Schriftsteller. In seiner Arbeit greifen künstlerisches Schaffen, literarische Praxis und philosophische Fragestellungen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig.