Am 14.06. spricht Jürgen Kippenhan im Rahmen unseres Philosophischen Salons über die Bedeutung des Werks von Jürgen Habermas und das, was bleibt.
ZEIT: Sie kannten Habermas beinahe siebzig Jahre lang. Wie würden Sie ihn als Menschen beschreiben?
Kluge: Als einen der verlässlichsten Menschen, die ich je getroffen habe. Alles, was er sagte, hätte ich blind unterschrieben.
…
Kluge: Aber die Verlässlichkeit zeigte sich auch im Denken. Wenn man mit ihm sprach, konnte man sicher sein: Er geht auf das Argument ein. Er nimmt es ernst. Kommunikation bedeutet für ihn nicht nur Rede oder Rhetorik. Es geht um die Tonlage zwischen Menschen. In einer kleinen Stadt, auf dem Land, im Gespräch zwischen Nachbarn. Das ist kommunikatives Handeln.
(Aus ZEIT-Interview mit Alexander Kluge)
Gespräche geben uns Halt. Aber worin finden Gespräche ihren Halt? Überlegungen dieser Art könnten als denkbar kürzeste Fassung der Philosophie des kürzlich verstorbenen Jürgen Habermas aufscheinen. Die Nachrufe auf ihn sind ergreifend, ergreifend auch sein Werk. Sein Auftreten ist frei von Eitelkeit, seine Art zu schreiben schnörkellos, in Vielem brillant und doch – stets nüchtern – dem zu vermittelnden Gedanken unterworfen. Er verkörpert etwas, das wir notwendiger denn je brauchen: Dem Ideal der Klarheit folgend auf Nachdenklichkeit und Verständigung zu setzen. Und: egal in welche Irrfahrten die Welt sich verrennt, nicht mutlos werden. Die Idee dahinter: Wie deformiert unsere zwischenmenschlichen Bezüge (Interaktionen, Institutionen etc.) auch immer sind, wir können (außer im Fall völlig nackt auftretender Gewalt) uns nie gänzlich aus den Verständigungsverhältnissen mit unseren Mitmenschen herauslösen. Der innere Kern dieser Verständigungen ist das (siehe Ausgangsfrage), worin Gespräche – und die tieferen Dimensionen dessen, was uns als Menschen verbindet - ihren Halt finden: Jürgen Habermas hat diesen Kern theoretisch freigelegt und ihn als Person, Philosoph und Intellektueller so verkörpert, dass niemand auch nur erahnen kann, wie die, die erlässt, Lücke zu schließen sein soll. Er wird der Welt sehr fehlen, auch wenn ihm dieser Verweis zu pathetisch erscheinen dürfte. Worum es in seiner Philosophie geht, das sollen unsere Darlegungen in einigen Federstrichen nahebringen.
Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich!