Philosophischer Salon: Dipl. Psych. Micha Hilgers: »Zwischen Couch und Wursttheke – Kann man sich als Psychotherapeut normal verhalten?«

Sich als Psychotherapeut zu outen, ruft regelmäßig erschrockene Reaktionen hervor – oder Fragen nach Behandlungsmöglichkeiten, womöglich an der Wursttheke bei Rewe. Ungezwungen verhalten sich beide Beteiligten allenfalls wieder nach einer gewissen Abkühlphase. Doch die erschrockenen Reaktionen haben viel mit einer antiquierten Rezeption von Psychoanalyse zu tun, die mit Psychotherapie gleichgesetzt wird. Die notorische Verwechslung von technischer Neutralität mit Abstinenz begründet die Annahme von Strenge, Inaktivität oder andauerndem Schweigen, unterbrochen lediglich von gelegentlichem bedeutungsvollen Grunzen („hm“). Tatsächlich jedoch geht es in allen Psychotherapieformen primär um die Gestaltung der Beziehung zwischen Behandler und Patient oder Gruppe. Was bedeutet, dass wenigstens die Therapeuten bemüht sein sollten, sich einigermaßen normal zu verhalten: menschlich, lebendig, emphatisch und konfrontativ. Wie das gelingen kann und wo die vielen Schwierigkeiten liegen, versucht der Referent zu erläutern. Nicht ohne Beispiele wie man „ganz normal“ mit Patienten in Verstrickungen und Verrücktheiten gerät.

Dipl. Psych. Micha Hilgers, Psychoanalytiker DGPT

geb. 1954 in Aachen, aufgewachsen in Düsseldorf. Studium der Psychologie, des Niederländischen und der Politischen Wissenschaften in Amsterdam und Marburg.
Seit 1990 Supervisor für namhafte Kliniken und Psychiatrien, u.a. Universitätsklinikum Aachen. Dozent und Coach mit eigener Praxis in Aachen und Autor von verschiedenen Büchern. Zuletzt erschien 2012 »Scham: Gesichter eines Affekts«
Zahlreiche Tagungs- und Kongressbeiträge, Medienauftritte (Talk im Turm, Scobel, Münchener Runde, Hallo Ü-Wagen, häufige Interviews im WDR, SWR und HR zu aktuellen tagespolitischen Themen).

Zeit: Sonntag, 15. Oktober 2017 um 12 Uhr
Ort: LOGOI Jakobstraße 25a; 52064 Aachen 
Eintritt frei!