Philosophischer Salon
Sonntag, 29.01.2012, 12:00 Uhr: Dr. Jürgen Kippenhan: Pest oder Cholera – Über Dilemmata in der Medizinethik
Die Erfahrung ›am eigenen Leib‹ ist uns das Unmittelbarste, und doch suchen wir oft nach fremden Diagnosen, die uns sagen, wie es uns geht. Der Auftrag zu helfen führt die Medizin dabei nicht selten in schwer auflösbare Dilemmata, die um so bedrängender werden, wenn es um Leben oder Tod geht: Das Machbare kann gerade zum Schaden gereichen und die Hilfe für den Einen wird dem Anderen entzogen. Zudem ist der Raum zwischen ›gesund‹ und ›krank‹ so unbestimmt, dass er immer wieder von Hysterikern, Gesundbetern oder Systemzwängen besetzt wird. Aber auch die Aufgeklärten wissen oft nicht, was an all dem, was die Medizin offeriert, noch gesund oder schon krank ist.
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Wichtige Merkmale unserer heutigen Kultur haben ihre Wurzeln in der Aufklärung. Dazu gehört der fortwährende Versuch, sich von Vorurteilen und Zwangsmechanismen zu lösen. LOGOI fühlt sich dieser Idee verpflichtet und möchte den Raum für einen fortwährenden Diskurs öffnen, in dem die Auseinandersetzung etwa darum geführt wird
- ob uns die Digitalisierung des gesellschaftlichen Lebens in die Irre führt
- ob unser Modell von Demokratie genug Substanz hat, um der medialen Vereinnahmung zu widerstehen
- ob die tagtäglichen Zwänge Spielraum lassen für essentielle Zukunftsgestaltungen
- ob der Einzelne in Zeiten schneller Umbrüche lebenswerte Haltepunkte findet – ob es gelingt – bei aller Gegensätze – ein Band gemeinsamer Verständigung zu knüpfen.
Um unser Leben gestalten zu können, bedarf es des Engagements von Bürgern. Dazu gehört auch der Wille, sich über brisante Fragen auseinander zu setzen. LOGOI soll hierfür ein Forum sein und wird zu konkreten Themen einladen.
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